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18. SEPT. 2018

Wir glauben an die Kraft der Kooperationen

Dorit Bode

Interview mit Dorit Bode (M-net, Sprecherin der Geschäftsführung)

Wie steigt der Bandbreitenbedarf bei den Kunden und wie reagiert M-net darauf? 

Wir spüren alle tagtäglich, wie schnell die Digitalisierung unseres gesamten beruflichen und privaten Lebensbereichs voranschreitet. Schnelles Internet ist natürlich eine wichtige Grundlage für diese Entwicklung. Daheim ist es vor allem Videostreaming, Gaming, die zunehmende Vernetzung von Geräten im Haushalt und die steigende Nutzung von Cloud-Anwendungen, die den Bandbreitenbedarf wachsen lassen. Unser meistverkauftes Produkt war lange Zeit der 50 Mbit/s Anschluss, heute ist es der 100er. Auf diese steigende Bandbreiten-Nachfrage reagieren wir selbstverständlich auch in der Entwicklung unserer Produktwelt: Vor rund einem Jahr haben wir in unseren FTTH-Netzen, in denen die Glasfaser ja bis in den einzelnen Haushalt führt, ein Gigabit-Angebot für Privatkunden gestartet. In unseren FTTB-Netzen, wo die Glasfaser zumindest bis ins Gebäude reicht, bieten wir heute bis zu 150 Mbit/s, sind aber technisch dank dem G.fast Standard ebenfalls schon für ein Gigabit-Angebot gerüstet. Diese Bandbreiten sind die Zukunft – und diese Zukunft hat schon heute begonnen.

Welche Ziele hat man sich denn gesetzt und wurden diese schon erreicht? 

Die Glasfaser immer näher zum Kunden zu bringen ist das Ziel, und um das zu erreichen, verfolgen wir großartige Projekte wie den FTTB-Ausbau in München. Hier erschließen wir gemeinsam mit den Stadtwerken München rund 650.000 Wohn- und Gewerbeeinheiten im gesamten Stadtbereich. Bis 2021 werden mehr als 70 Prozent aller Haushalte in München per FTTB/H an das Netz von M-net angebunden sein – eines der größten zusammenhängenden Glasfasernetze in Europa. Dabei bringen wir die Glasfaser bis in den Keller und installieren dort Wandler, die die optischen Impulse aus der Glasfaser in elektrische Signale umwandeln. Von dort aus geht es über die herkömmliche Telefonleitung bis in die Kundenwohnung. Unternehmensweit planen wir, schon bis Ende 2018 ein FTTX-Potenzial von etwa 740.000 Haushalten zu erreichen – und im Moment liegen wir sogar leicht über Plan.

Welche Rolle spielen die Gigabit-Bandbreiten bei M-net?

Gigabit-Anschlüsse sind die Zukunft. Stand heute müssen wir allerdings noch differenzieren: Im Privatkunden-Markt sind Gigabit-Geschwindigkeiten sicherlich noch ein Premium-Produkt für Heavy User und Early Adopters, was sich auch in der Preisgestaltung spiegelt. Dennoch verzeichnen wir seit dem Marktstart unseres Gigabit-Angebots vor einem Jahr eine steigende Nachfrage. Im Geschäftskunden-Segment sind wir bei der Nachfrage schon lange weiter: Dort spielen hohe Bandbreiten eine enorm wichtige Rolle, damit alle Mitarbeiter gut vernetzt sind, schnell und mobil arbeiten können und auch Dienste wie flexible IP-Telefonie oder Cloud-Services genutzt werden können. Hier bewegen wir uns schon heute im Bereich von 10 bis 20 Gigabit-Leitungen.

Wie lässt sich der aufwändige Glasfaser-Ausbau finanzieren?

Wir glauben an die Kraft der Kooperationen – also das Zusammenspiel von Partnern, die ihre jeweiligen Stärken zum Wohle beider Seiten bündeln. Deshalb kooperieren wir für den Aufbau der passiven Infrastruktur in der Regel mit kommunalen Unternehmen oder Infrastrukturpartnern und konzentrieren uns selbst auf den aktiven Netzausbau und Netzbetrieb. 
Ganz entscheidend ist dabei eine Politik, die Investitionssicherheit schafft und alles tut, um einen möglichen Überbau bestehender Glasfaser-Initiativen nicht weiter zu fördern. 

Ein wichtiger Schlüssel für die Wirtschaftlichkeit sind zudem Kooperationen zur Steigerung der Netzauslastung. Hier bietet beispielsweise die Entwicklung des neuen 5G-Standards, der eine wesentlich dichtere Glasfaser-Verbindungsinfrastruktur für die Mobilfunkbetreiber voraussetzt, neue Perspektiven. Zu guter Letzt müssen wir auch in der Lage sein, über neue Geschäftsmodelle bei der Verwertung der Infrastruktur nachdenken zu können. Im Moment besteht eine Schieflage im Markt, da die Investitionen für die Entwicklung der Infrastruktur durch die deutschen Telekommunikationsanbieter getragen werden, während die Wertschöpfung aus den digitalen Anwendungen, die dadurch überhaupt erst möglich werden und diese Entwicklung treiben, vor allem bei den großen amerikanischen Konzernen landet. In diesem Kontext ist es sicherlich sinnvoll, dass der Koalitionsvertrag bei dem politisch so aufgeladenen Begriff der Netzneutralität einen gewissen Spielraum lässt.

Ein Ausblick zum Thema Fernsehen: Bis Ende 2018 muss die analoge TV- und Radio-Verbreitung beendet werden. Wann wird denn bei M-net wo abgeschaltet? 

Die Abschaltung des größten Teils unseres Verbreitungsgebiets haben wir mit den Kabelnetzen in München und Augsburg gerade hinter uns gebracht. Erfreulicherweise sind die Umstellungen sehr ruhig verlaufen – große Irritationen auf Seiten der Kunden sind zum Glück ausgeblieben. Hier hat es sicherlich geholfen, dass wir uns im Vorfeld sehr eng mit unseren Partnern in der Wohnungswirtschaft abgestimmt und diese auch bei der Kommunikation mit ihren Mietern unterstützt haben. Zudem hilft es natürlich, dass die Kunden von M-net über zwei getrennte Infrastrukturen mit Fernsehen und Hörfunk einerseits sowie mit Internet und Telefon andererseits versorgt werden. Das Koax-Kabel wird von M-net ausschließlich für die Übertragung von Kabelfernsehen und Hörfunk genutzt. Da es hier keine Frequenz-Kollisionen mit der Übertragung von Internet- und Telefondiensten gibt, haben wir hier wesentlich mehr Kapazitäten – beispielsweise auch für die künftige Übertragung von UHD-Angeboten – und mussten im Rahmen der Analog-Abschaltung auch keine Bereinigung der digitalen Senderbelegung vornehmen. So gehen wir entspannt in die weiteren größeren Umstellungen in Erlangen oder Würzburg.