Presse
14. APRIL 2009

Mobile Nutzung der digitalen Dividende lässt Störungen beim Rundfunkempfang erwarten

  • Gemeinsame Untersuchung von ANGA und IRT zu Auswirkungen der Nutzung der Digitalen Dividende veröffentlicht
  • Massive Bildstörungen bei Sendeleistungen, die einem Hundertstel der maximalen Sendeleistung eines Handys entsprechen
  • Störungen wirken sich in erster Linie auf Rundfunkempfangsgeräte aus
  • Umfangreiche Untersuchung vor Zuteilung der Frequenzen der digitalen Dividende für Datendienste notwendig

Berlin/Bonn, 14. April 2009 – Seit heute steht die gemeinsame Untersuchung des Instituts für Rundfunktechnik (IRT) und des Verbandes Deutscher Kabelnetzbetreiber – ANGA zum Download auf der Webseite der ANGA unter www.anga.de bereit. Die Untersuchung beleuchtet anschaulich die möglichen Auswirkungen einer Belegung der Digitalen Dividende mit mobilen Internetdiensten auf den Rundfunkempfang über Breitband­kabel­netze. Konkret wurden die möglichen Beeinträchtigungen analoger und digitaler Fernseh­programme bei Kabelkunden im Falle einer parallelen Nutzung dieser Frequenzbereiche durch die zukünftige Generation der mobilen Datenübertragung LTE (Long Term Evolution) geprüft.

Zu den Ergebnissen äußert sich Carsten Engelke, technischer Leiter der ANGA wie folgt: „Die durchgeführten Labor- und Feldtests haben unmissverständlich ergeben, dass eine Gleichkanalbelegung von Rundfunkdiensten im Kabel und mobilem Internet im Frequenzbereich 790 – 862 MHz zu massiven Störungen des Fernsehempfangs beim Endkunden führt. Ursache ist weniger die Übertragung der Daten vom Sendemast zum Endkunden, sondern vielmehr die Rücksendung der Daten vom mobilen Endgerät in der Wohnung des Nutzers. Bei Sendestärken, die rund einem Hundertstel der Spitzenleistung eines GSM-Handys entsprechen, treten bereits Bildausfälle auf. Besonders beunruhigend ist, dass bei nur geringfügig höheren Sendeleistungen diese Störungen auch durch eine 15 Zentimeter dicke Stahlbetonwand hindurch auftreten. Das Fernsehbild bei einem Kabelkunden kann daher durch die mobile Internetnutzung eines Nachbarn beeinträchtigt werden. Die Kunden und die Servicekräfte der Kabelunternehmen können in solchen Fällen die Probleme kaum lokalisieren. Wir freuen uns daher in diesem Zusammenhang, dass das Pilotprojekt der Landesanstalt für Kommunikation in Baden-Württemberg die Auswirkungen auf den DVB-C Fernsehempfang im Kabel untersuchen wird.“

Die Untersuchung zeigt, dass sich die Störungen vorrangig auf die Rundfunkempfangsgeräte direkt  auswirken. Durch die hohe Schirmung der Kabelnetze sind diese deutlich unempfindlicher gegenüber Störeinstrahlung als Endgeräte. Diese Probleme werden auch flächendeckend auftreten, denn das mittlerweile von der Bundesnetzagentur vorgelegte Eckpunktepapier zur Zuteilung der Frequenzen der digitalen Dividende sieht einen bundesweiten Regelbetrieb vor und keineswegs eine Beschränkung auf die sogenannten weißen Flecken.

Die Kabelnetzbetreiber erneuern daher ihre Forderung an die Politik, vor einer Zuteilung dieser Frequenzen für mobiles Internet, die Auswirkungen auf die drahtgebundene Rundfunkverbreitung umfassend zu prüfen und Szenarien für eine verträgliche Nutzung zu entwickeln.



2009-04-08_LTE-Kabel-Abschlussbericht_01 (pdf, 1 MB) PM_ANGA_Mobile_Nutzung_digitale_Dividende_Stoerung_Rundfunkempfang (pdf, 182 KB)

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