Presse
10. DEZ. 2009

Digitalisierung der Kabelnetze: Fördern statt regulieren - ANGA legt Positionspapier vor

  • Überstürzte Analogabschaltung schadet allen Marktbeteiligten
  • Kabel bietet ausreichend Platz für analoge und digitale Angebote
  • Beschleunigung des Digitalisierungsprozesses über attraktive digitale Inhalte
  • Medienrechtliche Vorschriften zur Sicherung der Wahlfreiheit bei der Ver­schlüsse­lung digitaler Free-TV-Programme gefordert

Berlin/Bonn, 6. Oktober 2009 – Eine voreilige Abschaltung des analogen Fernsehens benachteiligt nicht nur die Kabelnetzbetreiber, sondern auch die Inhalteanbieter, die Wohnungswirtschaft sowie die Kabelkunden und schadet somit allen Marktbeteiligten. Der Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber ANGA fordert daher in einem heute veröffentlichten Positionspapier einen anreizorientierten Digitalumstieg. 

Anders als bei der Terrestrik, bei der aufgrund begrenzter Kapazitäten ein harter Umstieg notwendig war, verfügt das Kabel über große Bandbreiten und ausreichende Kapazitäten, um gleichzeitig analog und digital zu verbreiten. D.h. 100 % der deutschen Breitband­kabel­netze sind digital und transportieren eine Vielzahl digitaler Angebote zu ihren Kunden – parallel zur analogen Übertragung. Hiervon ist die Nutzung digitaler Fernsehangebote zu unter­­scheiden: Mehr als 6 Mio. TV-Haushalte, die digitale Angebote via Kabel nutzen, und hohe jährliche Wachstumsraten von zuletzt mehr als 40 % zeigen, dass der Digitali­sierungs­prozess im Kabelnetz deutlich an Fahrt aufgenommen hat.

„Um dies zu ermöglichen investieren die Kabelnetzbetreiber jährlich hohe Summen in die Aufrüstung ihrer Netze“, betont ANGA-Präsident Thomas Braun. „Allein in diesem Jahr sind es über 700 Mio. Euro. Neben digitalen Rundfunkangeboten findet über unsere aufgerüsteten Netze auch High-Speed-Internet und Telefonie statt. Damit setzen wir entscheidende Impulse für den Infrastrukturwettbewerb mit den DSL-Anbietern. Eine erzwungene analoge Abschaltung, verbunden mit entsprechenden Kundenverlusten, würde die Investitionsfähigkeit der Kabelnetzbetreiber schwächen – ein deutlicher Wider­spruch zur Breitbandstrategie der Bundesregierung, deren Ziele gerade mit Blick auf schnelles Internet mit 50 MBit/s und mehr ohne Breitbandkabelnetze nicht erreichbar sind.“

Zur Beschleunigung des Digitalisierungsprozesses fordern die Kabelnetzbetreiber die Schaffung attraktiver digitaler Angebote. Hierzu Thomas Braun: „Damit die Digitalisierung zunimmt, sind weitere digitale Angebote der Inhalteanbieter mit echtem Mehrwert für den Zuschauer erforderlich. Ein solcher anreizorientierter Digitalumstieg setzt jedoch voraus, dass die Kabelnetzbetreiber Zugang zu allen relevanten Programmen und Inhalten haben – und zwar zu marktüblichen Konditionen. Die Blockade der großen privaten Programm­anbieter bei der digitalen Weiterverbreitung im Kabel bis Ende 2005 hat der Digitalisierung im Kabel geschadet. Dies darf sich jetzt nicht wiederholen.“

Insbesondere bei der Verbreitung von HDTV-Programmen ist es nicht akzeptabel, wenn ARD und ZDF Verbreitungsentgelte an Satelliten- und DVB-T-Betreiber zahlen, diese aber dem Kabel – dem günstigsten Übertragungsweg für die Programmveranstalter – ver­wei­gern wollen. Eine indirekte Überwälzung der Kosten auf die Kabelkunden, obwohl diese bereits über ihre Rundfunk­gebühren auch für die Verbreitung der HDTV-Programme bezahlen, ist nicht zu rechtfertigen.

„Zudem fordern wir die Schaffung medienrechtlicher Vorschriften, die jedem Netzbetreiber die Wahlfreiheit sichern, ob er eine Verschlüsselung der digitalen Free-TV-Programme vornimmt oder sie unverschlüsselt weiter­verbreitet“, stellt Thomas Braun klar heraus. „Das Geschäftsmodell darf nicht einseitig von den Programmveranstaltern oder der Medienpolitik vorgegeben werden.“

Braun abschließend: „Ein zusätzlicher Grund für die Zurückhaltung mancher Kabelkunden beim Wechsel zum digitalen Fernsehen ist die erforderliche Anschaffung eines Digitalreceivers. Um Kabelkunden zumindest von den damit verbundenen Kosten zu entlasten, sind infrastrukturneutrale Zuschüsse für Set-Top-Boxen, z.B. über einen Digitalisierungsfonds oder Gutscheine wie in den USA, Österreich oder Italien, in Erwägung zu ziehen. Außerdem ließe sich die Attraktivität von digitalen Inhalten durch eine reduzierte Umsatzsteuer auf digitale Free- und Pay-TV-Pakete erhöhen.“

Das Positionspapier zur Digitalisierung finden Sie auf der Website der ANGA (www.anga.de) im Bereich Stellungnahmen.



ANGA_Positionspapier_Digitalisierung_Oktober_2009_01 (pdf, 213 KB) PM_ANGA_Digitalisierung_der_Kabelnetze (pdf, 184 KB)

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