Marktdaten & Studien
14. APRIL 2009

Abschlussbericht zu den Untersuchungen von ANGA und IRT

Beeinflussung der Dienste auf TV-Kabel-Infrastrukturen durch bidirektionale terrestrische Anwendungen LTE im UHF-Bereich

Anlass für die von der ANGA und dem IRT gemeinsam durchgeführten Untersuchungen war die auf Grundlage der World Radio Conference 07 (WRC 07) für die Region 1 (Afrika, Asien und Europa) getroffene Festlegung, wonach die terrestrischen Fernsehkanäle K 61 bis K 69, dies entspricht dem Frequenzbereich 790 MHz bis 862 MHz, den Mobilfunkbetreibern ab dem 17. Juni 2015 als co-primäre Nutzung zuzuordnen sind. Dieser Umstand führte im Sommer 2008 zur Veröffentlichung der neuen Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung durch das Bundesministerium für Wirtschaft, die mittlerweile vom Bundeskabinett beschlossen und zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Studie dem Bundesrat zur Zustimmung zugeleitet wurde. Im Rahmen der Verordnung soll dieser Frequenzbereich fur die mobile breitbandige Internetversorgung vorgesehen werden, die Nutzung durch Rundfunkdienste soll auslaufen.

Neben vielen anderen Industriezweigen sehen die TV-Kabelnetzbetreiber und Rundfunkveranstalter diese grundlegende Änderung kritisch und die ANGA hat im September 2008 auf konkret befürchtete Störungen im Rahmen einer schriftlichen Anhörung hingewiesen.

Die von der ANGA und dem IRT gemeinsam durchgeführten Untersuchungen auf Basis der LTE-Technologie, die als die präferierte Technik der Mobilfunkbetreiber zur Belegung dieses Frequenzbereiches identifiziert wurde, haben ergeben, dass mit erheblichen Störungen der im Kabel genutzten Dienste durch die Gleichkanal-Belegung zu rechnen ist.

Nach umfangreichen Laboruntersuchungen wurde der Betrieb eines LTE-Netzes im Up- und Downlink im Feld simuliert und jeweils die Auswirkungen auf die Übertragung von Signalen im TV-Kabel bis zum Endgerät untersucht. Ziel war es, das schwächste Glied in der kabelgebundenen Bezugskette zu identifizieren. In der Untersuchung wurden nur Gleichkanalstörungen betrachtet. Die Auswirkungen auf analoge (PAL G) und digitale Signale (DVB-C, 64 QAM) wurden gleichermaßen untersucht. Die Auswirkungen eines LTE-Betriebes auf Dienste, die im TV-Kabel auf anderen Frequenzbereichen (Nachbarkanal-Störungen) verbreitet werden, waren nicht Gegenstand der Untersuchung.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Kabel selbst unempfindlich gegenüber Einstrahlungen im Downlink/Uplink sind, während die Endgeräte (Set Top Boxen (STB) und TV-Geräte) durch die Einstrahlung zum Teil massiv beeinflusst wurden. Als Hauptstörer wurden die Mobilfunk-Endgeräte im Uplink-Betrieb, d.h. vom Nutzer aus der Wohnung zurück zur Basisstation, identifiziert. Dabei spielte es kaum eine Rolle, ob der Sender sich im selben Raum wie das Rundfunkempfangsgerät oder in einem benachbarten Raum und getrennt durch eine Stahlbetonwand befand. Im Downlink-Bereich wurde die TV-Kabel-Infrastruktur im Testszenario durch die Gebäudedämpfung gegen äußere Feldstärken geschützt.

Die Untersuchungen kamen dabei zu dem Ergebnis, dass bereits geringe Leistungen von 10 mW, dies entspricht ca. einem Hundertstel der heute üblichen Spitzenleistungen von Mobiltelefonen, massive Störungen verursachen.

Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass in dem der Untersuchung zugrundeliegende Szenario mit einem im gleichen Frequenzbereich erfolgenden LTE-Betrieb eine Nutzung von Diensten über die TV-Kabel-Infrastruktur nicht möglich ist. Dies würde zu einem Verlust von 9 Kanälen mit je 8 MHz führen, was einer Bandbreite von ca. 800 Mbit/s auf den TV-Kabelnetzen entspricht. Daher besteht dringender Handlungsbedarf für eine gründliche Untersuchung im Markt befindlicher Endgeräte hinsichtlich ihrer Störfestigkeit und einer Begrenzung der Mobilfunkfeldstärken im relevanten Frequenzbereich. Zusätzlich sollten Kabelmodem-Endgeräte bezüglich ihrer Funktion unter Einwirkung von LTE-Signalen untersucht werden, da die Kabelmodem-Technologie ebenfalls 8 MHz DVB-C Downstream-Kanäle nutzt.




LTE Kabel Abschlussbericht (pdf, 1 MB)

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