Blog
23. APRIL 2018

Warum ist der Urlaub jetzt noch schöner?

Interview mit Dr. Wolf Osthaus (ANGA-Vorstand, Unitymedia)

Wolf

Zum "Welttag des Urheberrechts"

Am 1. April ist die sog. Content-Portabilitätsverordnung in Kraft getreten. Was genau verbirgt sich dahinter und wie können die Nutzer profitieren?

Durch die Content-Portabilitätsverordnung können die Kunden von mobil nutzbaren audiovisuellen Abo-Inhalten, also etwa TV- oder Video-on-Demand-Streaming, ab sofort diese Dienste nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch während vorübergehender Aufenthalte im EU-Ausland nutzen. So müssen also zum Beispiel unsere Unitymedia-Kunden im Urlaub nicht mehr auf unser mobiles Angebot Horizon Go verzichten und können ihre gewohnten Inhalte und Funktionalitäten auch dort nutzen, solange sie in einem EU-Mitgliedsstaat sind. Das gilt natürlich nicht nur für unsere Angebote, sondern für sämtliche portablen Content-Dienste. Die Europäische Kommission hatte diese Initiative im Rahmen ihrer Digital Single Market Strategie angestoßen, um einen weiteren Schritt hin zu einem einheitlichen Binnenmarkt auch im Digitalbereich zu machen.

Heißt das, dass damit das sog. Geo-Blocking in der EU vollständig abgeschafft ist und Inhalte zukünftig europaweit lizensiert werden?

Nein, so ist es nicht. Die urheberrechtlichen Lizenzen für Inhalte werden auch weiterhin territorial, also für einzelne Länder ausgegeben. Alles andere wäre auch nicht bezahlbar und würde den Content für Anbieter und Kunden unnötig teuer machen. Das würde vor allem kleinere Sendern oder Dienste-Anbieter in Gefahr bringen. Der wichtige Unterschied ist: Die Portabilitätsverordnung greift ausschließlich bei vorübergehenden Auslandsaufenthalten in der EU. Dann sollen die Nutzer auf Basis der für ihr Heimatland geltenden Lizenzen auch im Ausland ihre Dienste nutzen können. Unter den vorübergehenden Aufenthalt kann sogar auch noch ein Auslandssemester fallen. Entscheidend ist, dass weiterhin nachweislich ein Wohnsitz im Heimatland besteht, in dem der jeweilige Dienst abonniert wurde. Und es muss sich auch dort um einen portablen Dienst handeln, der also für die Nutzung von unterwegs vorgesehen ist. 

Im Grunde ist das also eine tolle Sache für die Kunden. Aber gerade bei dem Thema der bequemen portablen Nutzung von Inhalten von unterwegs besteht trotzdem immer noch gesetzlicher Handlungsbedarf.

Was genau meinen Sie damit, und wie kann die Politik hier helfen?

Es ist heute ungemein aufwändig, für ein mobiles Angebot die notwendigen urheberrechlichen Lizenzen zu bekommen. Für das klassische Kabel-TV zu Hause können wir die erforderlichen Rechte im Paket von Verwertungsgesellschaften lizensieren, natürlich neben Verträgen mit den Sendern direkt. Diese Verwertungsgesellschaftspflicht macht es überhaupt erst möglich, alle Urheber von einem audovisuellen Inhalt in die Nutzung einzubinden. Denn bereits an einer einzigen Fernsehsendung sind ganz viele Urheber und Leistungsschutzberechtigte beteiligt: Darsteller, Drehbuchautoren, Produzenten und so weiter. Wir als Plattformbetreiber wissen überhaupt nicht, wer alles mitgewirkt hat oder Rechte besitzt. Und selbst wenn, müssten wir dann pro Jahr mehrere hunderttausend Verträge mit all den genannten Beteiligten abschließen. Und das auch noch innerhalb kürzester Zeit. Das ist schlicht nicht machbar. Kabel-TV wurde daher überhaupt erst durch die Einführung der verpflichtenden kollektiven Rechtewahrnehmung über Verwertungsgesellschaften in der heutigen Form möglich.

Und wie ist das bei den mobilen Angeboten?

Das Problem ist, dass das alles nur gilt, solange der Nutzer Fernsehen in den eigenen vier Wänden schaut. Denn eine vergleichbare Regelung für die mobile Nutzung von unterwegs gibt es nicht. Damit fehlt uns ganz schnell die notwendige Rechtssicherheit bei portablen TV-Angeboten. Meines Erachtens geht es hier sogar um viel mehr: Endlich den Rechtsrahmen an die moderne Nutzungserwartung anzupassen, um so die Zukunft des linearen Fernsehens zu sichern. Denn dem Nutzer reicht es nicht mehr, Fernsehen nur bei sich auf der Couch schauen zu können. Für ein gutes, überzeugendes Angebot braucht es die mobile TV-Nutzung und zusätzlich  quasi-lineare Funktionen wie z.B. Catch-Up oder Replay, wo der Kunde in engem zeitlichem Zusammenhang mit der Ausstrahlung eine Sendung später starten oder neu anschauen kann. Hier muss das Urheberrecht endlich abbilden, was längst zu einer linearen Fernsehnutzung dazugehört. Wenigstens die mobile Nutzung wird mittlerweile auf europäischer Ebene im Rahmen einer neuen Kabel- und Satelliten-Verordnung („SatCab“) diskutiert. Noch wichtiger wäre aber eine Regelung im nationalen Urheberrecht, da die EU nur grenzüberschreitende Anwendungsfälle regeln kann.


Mitglieder